Studie

Eine Seniorin bedient eine Karten-und Navigations-Anwendung auf einem Tablet-PC

Im Rahmen des Projekts „Digital mobil im Alter - Tablet PCs für Senioren“ hat Telefónica Deutschland zusammen mit der Stiftung Digitale Chancen eine Studie aufgesetzt, die herausfinden soll, inwieweit ältere Menschen digitale Medien nutzen, welche Vorteile dies für sie haben kann und welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit mehr Senioren den Schritt in die digitale Welt wagen.

Ausführliche Studienergebnisse wurden am 12. Juli 2017 im Telefónica BASECAMP vorgestellt und können hier heruntergeladen werden.

Download: Studie (PDF, 1,3 MB)

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Zentrale Erkenntnisse - Lessons Learned

  1. Für die Nutzung des Internets ist nicht allein das Alter entscheidend, sondern sie wird viel mehr durch soziale Kontakte und persönliche Mobilität beeinflusst.
  2. Mobile Technologien, wie beispielsweise Navigationsanwendungen für Tablet PCs, können die Mobilität von Senioren verbessern und ihnen dabei helfen, aktiver am Leben teilzuhaben.
  3. Senioren mit wenig Interneterfahrung nutzen eher einfache Anwendungen (Spiele, Fahrplanauskünfte u. ä.). Komplexere Anwendungen, die den Nutzern Vorteile bei der selbstständigen Alltagsbewältigung bieten können (Online Banking, Shopping, o. ä.), erfordern mehr Erfahrungen und höhere Fähigkeiten.
  4. Digitale Kompetenz muss ergänzt werden durch Selbstvertrauen im Umgang mit dem Internet. Senioren können dieses durch gute Begleitung und Unterstützung gewinnen.
  5. Angebote zur digitalen Weiterbildung müssen die Erwartungen der Senioren berücksichtigen und sich ganz konkret an deren Lebenswirklichkeit orientieren.
  6. Leicht erreichbare Sprechstunden, orientiert an den Bedürfnissen von Senioren, die sie auf ihrem Weg in die digitale Welt unterstützen, sind eine sinnvolle Ergänzung zu Kursen und anderen Weiterbildungsangeboten.

Teilnehmerprofil

Im Vergleich zu bisherigen Befragungen beziehen sich die Ergebnisse dieser Studie auf unmittelbare Erfahrungen der befragten Senioren. Von April 2016 bis Mai 2017 hatten in vier Städten rund 300 ältere Menschen (N=299) über einen Zeitraum von insgesamt acht Wochen die Möglichkeit, einen Tablet PC mit mobilem Internetzugang zu nutzen und so herauszufinden, welchen Nutzen digitale Medien für sie bereithalten. Begleitet wurde das Programm durch ein Betreuungsangebot, das den Teilnehmenden den Einstieg und die Nutzung erleichtern sollte. Davor und danach wurden die teilnehmenden Senioren zu ihren Erfahrungen befragt. Durch die standardisierten Fragebögen, ergänzende persönliche Interviews und ausgewählte Video-Statements konnte ein umfassendes Bild über die Nutzung digitaler Medien unter Senioren erstellt werden. Neben den üblichen soziodemographischen Daten wurden auch zahlreiche Informationen zur Lebenssituation erhoben (wie etwa familiäre und soziale Kontakte, Mobilität, Wohnsituation etc.), die für die Nutzung bestimmter Anwendungen mögliche Anlässe bieten.

Wie nutzen Senioren das Internet?

Anhand einer vorgegebenen Liste konnten die teilnehmenden Senioren der Studie angeben, welche Anwendungen sie während der achtwöchigen Projektlaufzeit genutzt haben. Während die Teilnehmer der Studie ihre Tablets am häufigsten für die Kommunikation per E-Mail verwendet haben, wurden die von Jüngeren viel genutzten Kommunikationsdienste von den Senioren weitaus weniger verwendet. Nur rund jeder Vierte gab an, WhatsApp zu nutzen und lediglich etwa 10 Prozent der Befragten haben Soziale Netzwerke wie Facebook genannt. Zwei Drittel der WhatsApp-Nutzer unter den Senioren haben Enkel, was als besonderer Anreiz für die Nutzung von Messaging-Diensten gelten kann. Das hohe Mobilitätsbedürfnis älterer Menschen wird durch die häufige Online Nutzung von Fahrplänen und Navigation, wie etwa Google Maps, deutlich. Rund zwei Drittel bzw. die Hälfte der befragten Senioren haben ihr Tablet für diese Zwecke genutzt, was zeigt, dass das Internet die Mobilität älterer Menschen positiv unterstützen kann. Vor allem Menschen mit Gedächtnisproblemen gaben an, auch unterwegs diese Dienste zu nutzen, wodurch sie ein Stück Unabhängigkeit gewinnen konnten.



Nutzung der Anwendungen in den 8 Wochen, unabhängig vom Gerät

E-Mails senden und empfangen 72 %
Fahrpläne oder Fahrzeiten von öffentlichen Verkehrsmitteln abrufen 66 %
Navigation (z.B. Google Maps) 53 %
Spielen 48 %
Informationen zu Reisen und Unterkünften 46 %


Die Meinungen nach acht Wochen Nutzung des Internets

Wenn Sie an die Nutzung des Internets in den vergangenen Wochen denken, wie sehr treffen die Aussagen Ihrer Meinung nach zu? Zustimmung in % (trifft zu+trifft eher zu)
Mit dem Internet kann ich mein Wissen erweitern und immer noch dazu lernen 93 %
Das Internet erspart viel Laufererei 83 %
Das Internet ermöglicht es mir, im Alter länger selbstöndig zu bleiben 69 %
Am Internet ist für mich besonders wichtig, dass ich mit meiner Familie, Freunden und Bekannten in Kontakt bleiben kann 66 %
Das Internet bietet mir gute Möglichkeiten der Unterhaltung und des Zeitvertreibs 63 %
Durch das mobile Internet kann ich mich in neuen Umgebungen schneller zurechtfinden 58 %
Das Internet ist wichtig für mich, da ich mich dort mit meinem beruflichen und persönlichen Profil präsentieren kann 14 %

Allgemein nutzen ältere Menschen das Internet und digitale Medien sehr viel seltener als Jüngere. Viele Ältere sagten, dass digitale Anwendungen für sie nicht brauchbar bzw. zu kompliziert seien. Diese Ansichten haben sich nach acht Wochen Erfahrung mit Tablet PC und Internetnutzung geändert. Die Vielfalt der digitalen Angebote, die auch für ältere Menschen interessant sein können, macht deutlich, dass ganz unterschiedliche Bedürfnisse und Ansprüche gestillt werden können. Um mehr ältere Menschen an die Nutzung von digitalen Medien heranzuführen, sollte es ein besonderes Anliegen sein, Senioren die Vielfalt der digitalen Angebote sowie den daraus resultierenden individuellen Nutzen der digitalen Medien zu verdeutlichen. Viele Senioren haben bestimmte Erwartungen an die Onlinenutzung. Der Wunsch „in Kontakt zu bleiben“ (geäußert von 66 Prozent) wird zum Beispiel durch die Nutzung von E-Mails erfüllt (als Nutzung genannt von 72 Prozent).

Welchen Nutzen bietet mir das Internet und welche Anwendungen habe ich genutzt?

Dagegen zeigt sich eine offenkundige Diskrepanz bei den Gratifikationen „Lauferei ersparen“ und „Länger selbstständig bleiben“. Beides kann nach den Einschätzungen der teilnehmenden Senioren durch das Internet ermöglicht werden. Allerdings gaben lediglich 24 Prozent an, selbst online einzukaufen. Die Gründe für diese fehlende Nutzung von Einkaufsmöglichkeiten trotz der offensichtlichen Gratifikationen sind vielfältig. Zum einen stellen das Einrichten eines Benutzerkontos sowie das Eingeben persönlicher Daten und Zahlungsmittel für viele ältere Menschen besondere Herausforderungen dar und lösen zudem Sicherheitsbedenken aus. Hinzu kommt häufig die fehlende Zuversicht, etwaig auftretende Probleme eigenständig lösen zu können. Umso wichtiger ist es, ältere Menschen auf ihrem Weg in die digitale Selbstständigkeit durch gezielte Angebote zu unterstützen. Neben Bedienungsfertigkeiten spielen auch eine Stärkung des Selbstvertrauens eine große Rolle. Hier können Computerseniorenclubs und Verbraucherzentralen mit gemeinsamen Trainings zum Online-Einkauf einen wichtigen Beitrag zur Überwindung der festgestellten Diskrepanz zwischen Nutzenerwartung und Nutzung leisten.

Grafik - Welchen Nutzen bietet das Internet und welche Apps wurden genutzt
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